Junge Wildkatze gefunden?

Nur wenn definitiv feststeht, dass die jungen Katzen von dem Muttertier aus irgendwelchen Gründen nicht mehr versorgt werden, dürfen die Tiere aufgenommen werden!

Andernfalls ist das zeitnahe Zurücksetzen an den Fundort oft die bessere Lösung. Das Zurücksetzen funktioniert jedoch nur, wenn die Tiere zuvor keinen Kontakt mit Hauskatzen oder sonstigen Infektionsquellen hatten – dazu zählen bedingt auch Tierarztpraxen.

Wenn Sie sich unsicher sind, was zu tun ist, senden sie uns zwecks Bestimmung der Art und des Alters der Katze aussagekräftige Fotos zu. Per E-Mail erhalten Sie in der Regel innerhalb eines Tages Antwort. In dringenden Notfällen können Sie uns auch unter der eigens dafür eingerichteten Telefonnummer erreichen: 0160 - 923 22 634.

Die Tiere sollten nicht in Tierheime oder zu Katzenhilfen gebracht werden, hier droht Ansteckungsgefahr. Oberstes Ziel muss sein, die Tiere später wieder in die Natur entlassen zu können.


Informationen für den Tierarzt

Hier finden Sie eine Anleitung mit wichtigen Informationen für den Tierarzt: Word / PDF

Drucken Sie das Informationsblatt nach Möglichkeit aus und legen sie es bitte dem Tierarzt vor. Es wird ihm bei der Behandlung der Wildkatze helfen.


Altersbestimmung

Für die Altersbestimmung von Wildkatzen sind folgende Kriterien von Bedeutung: die Augenfarbe (bis etwa zur fünften/sechsten Lebenswoche hellblau), das Körpergewicht, das Fressverhalten (Annahme von Fleisch?) sowie bei älteren Tieren die Zähne (Zahnwechsel).


europäischewildkatze.de © WieselFilm

Aufzucht

Solange junge Kätzchen in der Milchphase sind, werden sie von Hand gefüttert. Die Fütterung erfolgt jeweils im Abstand von zwei bis drei Stunden mit „Cat-Milk“, zudem mindestens einmal pro Nacht (für „Langschläfer" auch zweimal). Beachten Sie bitte auch die Anleitung auf dem Produkt. Verwenden Sie nur abgekochtes Wasser, rühren Sie jede Mahlzeit neu an und halten Sie höchste Hygienestandards ein.

Ab einem Alter von fünf bis sechs Lebenswochen müssen die Jungtiere mit magerem, frischrohem Rindfleisch (Tartar) gefüttert werden; dies jeweils in einem Abstand von vier bis sechs Stunden. Entfernen Sie alte Fleischreste aus der Fressschale umgehend. Das Fleisch muss unbedingt mit Aufbaukalk angereichert werden, um den Knochenaufbau zu ermöglichen.

Nachdem mit circa sechs bis acht Lebenswochen die Ernährung der Wildkatzen vollständig auf Fleischnahrung umgestellt ist, sollten Sie – sofern es die Witterung erlaubt – in ein Außengehege umziehen. Dort sollten die Katzen möglichst wenig Kontakt zum Menschen haben. Diese Möglichkeit bieten in der Regel nur Auffangstationen.

Wildkatzen werden nicht zahm! Sie unterliegen dem Artenschutz und dürfen nicht ohne behördliche Genehmigung gehalten werden.

Eine Nothilfe für verletzte oder verwaiste Jungtiere allerdings ist nicht identisch mit der Haltung. Informieren Sie dennoch umgehend die zuständigen Behörden (Untere Landschaftsbehörde, Veterinärbehörde) und den Jagdpächter.


Zur Aufzucht benötigtes Material:

  • Schnelltest auf Parvo (z.B. „Speed Parvo“ von Virbac)
  • „Cat-Milk“ (Gimpet) Muttermilchersatz
  • Aufbaukalk (z.B. „Trixie Aufbaukalk“) oder andere mit mindestens 20% Calciumcarbonat
  • Milchfläschchen (Gimpet) oder Einwegspritzen 2 + 10ml
  • Sehr mageres Rindfleisch oder Wild (kein Schwein!)

Buchtipp zum Thema:

Brandes, Florian: Findeltiere: Aufziehen und auswildern (Patient Tier). Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2009. 19,80 Euro (Amazon.de).

Das Buch ist ein Praxisratgeber zur Aufzucht elternloser Wildtiere. Es wird detailliert dargestellt, wie die unterschiedlichsten einheimischen Tiere in Pflege aufgezogen und wieder in die Natur entlassen werden können – und welche Tiere in Ruhe gelassen werden sollten. „Findeltiere" umfasst über 70 Detailanleitungen, von der Brandmaus bis zum Weißstorch.