Wildkatzen durchstreifen weitläufige, unterholzreiche Wälder und benötigen große, störungsarme Rückzugsgebiete, die ihnen genügend Versteckmöglichkeiten und Ruheplätze bieten. Besonders in den ausgedehnten Waldgebieten der Eifel leben diese scheuen und seltenen Tiere noch heute.

Trockene und ruhige Plätze sind wichtig als Unterschlupfmöglichkeit und zur Aufzucht der Jungen. Dies können Fels- oder Baumhöhlen, alte Dachs- und Fuchsbaue oder Plätze unter Holzstapeln sein. Aber auch Hinterlassenschaften des Menschen – wie alte Hochsitze, Ruinen oder Bunker – werden genutzt, besonders in klimatisch ungünstigeren Regionen. Wildkatzen besiedeln bevorzugt die Wälder der Mittelgebirge, da die klimatischen Bedingungen in den höheren Lagen zu hart sind.

Nur während der Paarungszeit („Ranz“) zu Beginn des Jahres geben Kuder und Katze für kurze Zeit ihr einzelgängerisches Leben auf. Die Aufzucht der Jungen wird von der Katze allein übernommen, die während dieser Zeit besonders störungsempfindlich ist. Ab dem zweiten Lebensmonat erlernen die Katzenkinder spielerisch die Verhaltensweisen, die sie zum späteren Überleben benötigen. Anfang Herbst wandern die jungen Wildkatzen ab, um sich eigene Reviere zu suchen.

europäischewildkatze.de © WieselFilm

Auf Lichtungen oder an Wäldern angrenzenden Wiesen finden die spezialisierten Mäusejäger ihre Beute. Obwohl Mäuse schon immer die Hauptnahrung der Wildkatze darstellten, wurde sie noch bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts als nutzloser Schädling und mordende Bestie, die alles bis zum Rotwildkalb reißt und in Einzelfällen sogar vor dem Menschen nicht haltmacht, gnadenlos bejagt und gezielt ausgerottet. In früheren Zeiten bezeichnete man Wildkatzen allgemein als „Kuder“. Heute wird diese Bezeichnung nur noch für die männliche Wildkatze verwendet, im Gegensatz zur weiblichen „Katze“.

Wildkatzen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, sie leben einzelgängerisch und dulden keine Konkurrenten in ihrer Nähe. Reviere von Kudern und Katzen können sich allerdings überschneiden. Die Streifgebietsgrößen („home ranges“) von Wildkatzen sind ausgesprochen variabel. Sie variieren zwischen männlichen und weiblichen Tieren und aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen, die ihr Lebensraum ihnen bietet. Die Reviergröße eines Wildkatzenkuders kann bis zu 3.000 ha, die einer weiblichen Wildkatze bis zu 800 ha betragen. Bei Abwanderungen in neue Gebiete werden geringe Entfernungen bis etwa 25 km zurückgelegt.

Gerade junge Wildkatzen werden durch ihre Unerfahrenheit leicht zu Verkehrsopfern, da sie auf der Suche nach besiedelbaren Gebieten gezwungen sind Straßen, Bahnlinien und Kanäle zu überqueren. Über die Lebenserwartung frei lebender Wildkatzen ist wenig bekannt. In Gefangenschaft können Wildkatzen ein ähnlich hohes Alter wie Hauskatzen (bis zwanzig Jahre) erreichen. Wie fast alle Wildtiere werden sie in Freiheit jedoch selten so alt.


Dokumentation „Kleine Eifel-Tiger“ von Wieselfilm © 2007.