Der Wildkatzenbestand in Deutschland wird zurzeit auf etwa fünf- bis sechstausend Individuen geschätzt. Demgegenüber stehen über sechs Millionen Haus-, Hof- und Feldkatzen. Doch nicht nur zahlenmäßig bestehen hier Unterschiede. Die Hauskatze stammt nicht, wie man vielleicht vermuten mag, von der Europäischen Wildkatze ab, sondern von einer nahen Verwandten, der nordafrikanischen Falbkatze. Seit Beginn der Haustierwerdung (Domestikation) zu Zeiten der alten Ägypter haben sich Aussehen und Verhalten unserer Haustiger – im Vergleich zu ihren wilden Urahnen – durch das jahrhundertelange Zusammenleben mit dem Menschen verändert.

Auf diesen Veränderungen beruhen auch die bislang sichersten Unterscheidungskriterien zwischen Wildkatze und Hauskatze: Wildkatzen haben ein größeres Schädelvolumen und als reine Fleischfresser einen kürzeren Darm als Hauskatzen. Alle anderen Körpermerkmale können in ihrer Ausprägung variieren, sodass es eher schwierig ist, eine Wildkatze im Freiland als solche zu erkennen. Das Fell junger Wildkatzen ist in den ersten Lebensmonaten noch deutlich getigert, was die Verwechslungsgefahr mit Hauskatzen zusätzlich erhöht.

europäischewildkatze.de © WieselFilm

Über das Verhältnis zwischen Wildkatzen und Hauskatzen ist bislang wenig bekannt. So mag es an der ausgeprägt einzelgängerischen Lebensweise der Wildkatzen liegen, dass diese nicht längst in der um ein vielfaches größeren Hauskatzenpopulation untergegangen sind. In Gefangenschaft sind Kreuzungen zwischen Wild- und Hauskatzen jedenfalls möglich. Die daraus hervorgehenden Mischlinge werden als Blendlige (engl. „to blend" = vermischen) bezeichnet.

Die generelle Möglichkeit eines Kontaktes zwischen Haus- und Wildkatze ist heute groß: einerseits durch die hohe Anzahl an der Hauskatzen, andererseits durch die Inanspruchnahme der Landschaft seitens des Menschen und seiner Tiere. Gesicherte Erkenntnisse darüber, wie häufig Paarungen auch im Freiland stattfinden, liegen bis heute nicht vor. Während der Paarungszeit der Wildkatzen im Februar dürfte die Mehrzahl der Hauskatzen wohl eher vor dem warmen Ofen liegen. Eine Paarung besonders von jungen Wildkudern auf Reviersuche mit Hauskätzinnen erscheint jedenfalls wahrscheinlicher als eine Paarung von Wildkatze und Hauskater, da sich der Hauskater in diesem Fall als Rivale gegen den wilden „Revierkuder“ behaupten müsste.

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Wissenschaftliche Unterscheidungskriterien zwischen Wildkatzen und Hauskatzen:



Wildkatze Hauskatze
Darmlänge
(mm)

männl. 1200 - 1700
weibl. 1100 - 1650

männl. 1650 - 2540
weibl. 1550 - 2200

Schädelkapazität 
(cm³)

32,5 - 50,0
Index < 2,75

20,0 - 35,0
Index > 2,75

Schädelindex: Liegt der Wert der Schädelkapazität zwischen 32,5 und 35,0, muss ergänzend der Index (Länge in mm/Kapazität in cm³) berechnet werden.


In Kürze finden Sie an dieser Stelle eine weitere Übersicht zu den äußerlich sichtbaren Unterscheidungsmerkmalen zwischen Wildkatzen und Hauskatzen.